Während sich der Qualm aus dem Knall um die Kündigung des langjährigen Werderaner Kinobetreibers Gösta Oelstrom übers Wochenende langsam aus der Eisenbahnstraße verzog, schälen sich aus dessen letzten Schwaden auf dem Meinungskorridor des Scala Kulturpalastes derzeit vor allem drei Fragen: Wer profitiert eigentlich von diesem Coup? Darf das der Vorstand überhaupt ohne den Verein? Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesem Rauswurf des auch in der Stadtpolitik tätigen Kinobetreibers Oelstrom aus Werders größtem funktionierenden Kulturhaus und jetzt bekannt gewordenen Gesprächen über städtische Förderung? Wie passt dieser jetzt ins Spiel gebrachte, eventuell neue Kulturfördermittelanwärter eigentlich in das sonst bemühte Bild, dass die Stadt kräftig sparen müsse?
25.10.2026, 21:05 Uhr
Bernd Reiher
Fast zeitgleich sind aus Vorstandskreisen auch erste Signale zu vernehmen, wie es nach dem Auszug der bisherigen Kinoleute im schönen, aber scheinbar hart umkämpften Haus an der Eisenbahnstraße weitergehen könnte.
Ein entsprechendes Papier wurde am 24. Oktober vereinsintern verteilt, ist scheinbar schon im August und September entstanden und wurde nach kritischen Fragen noch am 6. September mit den Anmerkungen entschuldigt: „Mit dieser Umfrage wollen wir nicht das ersetzen, was im Scala bereits funktioniert. Wir wollen herausfinden, was zusätzlich möglich ist.“ Titel: „Ideen für das zukünftige Nutzungskonzept des Scala.“
Zwanzig Ideen seien damals eingereicht worden. Nun könnte es die Ausgangsbasis werden, ab Mai 2027 das Scala in Eigenregie zu führen und Monat für Monat mindestens die dann wegfallenden 2.000 Euro Miete selbst einzuspielen.
Ein gewagtes Spiel, denn in diesem Konzeptpapier sind nur wenig konkrete Ansätze beschrieben, wie zum Beispiel mehr Seniorenkino und Jugendarbeit, Zusammenarbeit mit Vereinen, Kino mit Kinderbetreuung, Handarbeitstreff und monatliche Diskussionsabende. Das Scala solle ein Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen, auch wieder beim Tatort auf der großen Leinwand und beim Public Viewing.

Quasi nebenbei wird die Grundsatzfrage gestellt, ob Werder groß genug ist, ein eigenes Kino auszulasten (Anmerkung: viele Besucher kamen schon bisher auch von außerhalb). Andererseits zeigt sich, wie wenig belastbar diese Ideensammlung ist, wenn an anderer Stelle die Rede davon ist, das Kino eben doch als Kern des Scala zu erhalten. Ganz zu schweigen davon, dass man sich wohl erst einmal wird neue Kinotechnik teuer kaufen müssen, weil Oelstrom seine sicherlich an anderer Stelle brauchen wird.
Als mögliche Vorbilder werden die Kammerspiele Kleinmachnow (scheinbar rund 100.000 Euro städtische Förderung pro Jahr) und das Thalia in Babelsberg angeführt. Als möglicher Kooperationspartner wird mal wieder in Richtung Comédie Soleil geschielt.
Ganze sieben Seiten dünn ist dieses Absichtspapier, das angeblich eigentlich gar nicht als Ersatz für Oelstroms Kinobetrieb gedacht war, aber jetzt als Grundlage herhalten könnte, mindestens die ab Mai wegfallenden 2.000 Euro Miete Monat für Monat in Eigenregie zu erwirtschaften.
Ob solche Kino-Aussichten genug Anreiz sind, als derzeit dringend gesuchter Spender oder Geldgeber beim Freundeskreis einsteigen zu wollen, steht in den Sternen.
Im Falle einer Insolvenz dürfte das Haus übrigens an die Stadt gehen. Die hat ja im erfolgreichen Betrieb ihrer historischen, großen Säle beste Erfahrung. Oder der Freundeskreis findet bis Mai eben doch noch den Mäzen, nach dem er sich schon so lange sehnt. Dann kriegt man natürlich locker das Kino selbst mit solch einem Nutzungskonzept bespielt.
Ganz abwegig wäre dann am Ende auch noch die Variante mit anderen Betreiberkandidaten. Denn auch die werden sich spätestens nach dieser Geschichte sicher dreimal fragen, ob man sich auf das Wagnis Freundeskreis einlassen will.
Nach meiner Rechnung dürften es bei mir sieben Jahre als Mitglied im Werderaner Kinoverein sein. Kurz nach der Bekanntgabe der Rauswurfes für Oelstrom habe auch ich am Donnerstag eine Kündigung ausgesprochen. Diesmal für das Gebahren in diesem angeblichen Freundeskreis.
