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Schulnote 4,5 für Werder: ADFC Fahrradklima-Test 2022

Werder (Havel), 29.04.2023 – Elektro-Radler klingelt auf dem Fußweg Eisenbahnstraße, um an Fußgängern vorbeizukommen. Frage: „Warum fahren Sie nicht auf der Straße?“ Radler: „Das ist mir hier zu unsicher“.

Eine kurze Episode aus Werder vom Sommer 2022. Dass dies keine Einzelerfahrung, spiegelt sich im ADFC Fahrradklima-Test für 2022. 74 Prozent der Teilnehmenden gaben in der Rubrik „In Werder fühle ich mich auf dem Rad sicher“ die Schulnoten 5 oder 6. Im Gesamtranking hat die Blütenstadt die Schulnote 4,5 bekommen.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung zum Fahrradklima-Test für ganz Brandenburg vom 24. April 2023. Die Ergebnisse für Werder haben B90/Grüne ergattert und hier zum Download bereit gestellt.

ADFC Fahrradklima-Test 2022

Mit 45 Städten im Ranking und über 6.500 Antworten gab es beim ADFC-Fahrradklima-Test 2022 einen neuen Teilnehmerrekord in Brandenburg. Die Bewertung dagegen stagniert wie in anderen Bundesländern auf einem niedrigen Niveau. Das Land schnitt mit Note 4 erneut schlecht ab.

„Wie die Verkehrswende gelingen soll, wenn man so weit hinter den Erwartungen derjenigen zurückbleibt, die man für das Radfahren gewinnen will, ist mir ein Rätsel,“ so der Landesvorsitzende des ADFC Brandenburg, Stefan Overkamp.

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil des Radverkehrs bis 2030 von 11 auf 20 Prozent zu verdoppeln. „Das Ergebnis ist vor diesem Hintergrund ernüchternd. Wir müssen weg vom klein-klein der Einzelmaßnahmen. Ein paar hundert Meter guter Radweg hier oder dort reichen ebenso wenig, wie schnell mal Farbmarkierungen auf die Fahrbahn pinseln. Wie es anders geht, zeigen die Niederlande: Ein durchgängiges Radwegenetz, sichere Kreuzungen, eindeutige Wegführung, hoher Komfort. Da kann jeder stressfrei fahren, auch Kinder und Senioren“, so Overkamp weiter. In den Niederlanden beträgt der Radverkehrsanteil landesweit rd. 30%.

Stagnation beim Fahrradklima in Brandenburg

Von den Brandenburger Kommunen erreicht Bad Wilsnack mit 2,72 einzig eine Bewertung von besser als befriedigend. Nur drei Kommunen konnten ihre Bewertung verbessern (Neuruppin, Königs Wusterhausen und Michendorf), in allen anderen Kommunen stagniert das Fahrradklima auf schlechtem Niveau: Von den 45 Städten, die es in die Auswertung geschafft haben, wurden mit 23 mehr als die Hälfte mit der Note ausreichend oder schlechter bewertet.

Wenig Komfort, viel Unsicherheit

Besondere Kritikpunkte waren auch in diesem Jahr wieder die Verkehrssicherheit (Durchschnitt 4,0) und der Komfort (Durchschnitt 4,3). Overkamp dazu: “Das passt ins Bild. Man kommt nicht einmal nach, die schlechten Radwege der 90er Jahre zu sanieren und bedarfsgerecht auszubauen. Für Lastenräder oder Kinderanhänger sind die oft gänzlich ungeeignet. Für die schnelleren E-Bikes einfach kein angemessenes Angebot“.

Ländliche Räume: Radinfrastruktur als Standortfaktor 

Ein etwas besseres Bild ergab die Sonderbefragung zum ländlichen Raum. Insbesondere die Fragen zur eigenen Mobilität von Kindern und Jugendlichen schnitt mit 3,4 relativ gut ab. Für diese Gruppe ist das Fahrrad im ländlichen Raum oft die einzige Möglichkeit, eigenständige Mobilität zu leben.

„Wer jungen Menschen im Land Brandenburg eine attraktive Heimat bieten will, darf eine gute Fahrradinfrastruktur als Standortfaktor nicht unterschätzen“, resümiert der ADFC Vorsitzende. An vielen Stellen fehlen Radwege gänzlich: Nur an 15% der Brandenburger Landesstraßen gibt es straßenbegleitende Radwege. Dabei zeigen die Zahlen: Die Menschen fühlen sich im Mischverkehr unsicher (Note 4,4).

Der ADFC Brandenburg arbeitet als Partner der Volksinitiative „Verkehrswende Brandenburg jetzt!“ gemeinsam mit der Landesregierung an einem Mobilitätsgesetz, das noch in dieser Wahlperiode verabschiedet werden soll. „Uns ist wichtig, dass wir mit dem Mobilitätsgesetz die Weichen stellen für einen besseren Ausbau der Radwege in Brandenburg. Aber am Ende ist das nur ein Baustein. Wir brauchen eine konzertierte Aktion: Verbesserungen im Straßengesetz des Bundes, bei den technischen Regelwerken, bei den Planungsverfahren, in der Straßenverkehrsordnung und natürlich brauchen wir auch den Willen und das Geld, die Veränderung endlich auf die Straße zu bringen!“, fasst Overkamp die Herausforderung zusammen.

Brandenburger Ergebnisse im Überblick:

Resonanz Brandenburg
ADFC Fahrradklima-Test
2016201820202022
Teilnehmende gesamt3.8696.2306.5546.596
Kommunen in der Wertung27364145
Mittelwerte Kategorien
ADFC Fahrradklima-Test Brandenburg
2016201820202022
Fahrrad- und Verkehrsklima3,893,493,533,6
Stellenwert des Radverkehrs3,63,924,074,1
Sicherheit beim Radfahren4,13,823,984,0
Komfort beim Radfahren4,04,064,224,3
Infrastruktur Radverkehrsnetz4,33,283,373,4

Über den ADFC Fahrradklima-Test

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist eine der größten Umfragen zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr durchgeführt. Der ADFC-Fahrradklima-Test misst als bundesweites Stimmungsbarometer die Zufriedenheit von Radfahrenden in deutschen Städten und Kommunen.

Die nicht repräsentative Umfrage ist offen für alle, richtet sich jedoch speziell an die Radfahrenden. Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden können, müssen pro Stadt mindestens 50, bei größeren Städten ab 100.000 Einwohner*innen mindestens 75 und bei Städten ab 200.000 Einwohner:innen 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen mit konkreten Empfehlungen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern.

Fahrradklima-Test 2022

Rekord: Rund 245.000 Teilnahmen, 1.114 Städte in der Wertung

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist eine der größten Befragungen zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2022 zum zehnten Mal statt.

Rund 245.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei diesem Durchgang abgestimmt, davon nur 16 Prozent ADFC-Mitglieder. 1.114 Städte kamen in die Wertung, mehr als jemals zuvor. Bei den 27 Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und wie viel die eigene Kommune für die Fahrradförderung tut.
5 Zusatzfragen drehten sich dieses Mal um das Radfahren im ländlichen Raum.

Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden, müssen pro Stadt mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 beziehungsweise 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern. Weitere Infos und Ergebnisse unter www.fahrradklima-test.de

Über den ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit über 220.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

Der ADFC Brandenburg hat landesweit 3.700 Mitglieder und setzt sich für die Verkehrswende mit dem Fahrrad in Brandenburg ein. Vor Ort engagieren sich hunderte Mitglieder in 23 Orts- und Regionalgruppen des ADFC für die Verbesserung des Fahrradklimas. Mehr Informationen über den Landesverband finden Sie auf der Website.

https://brandenburg.adfc.de/pressemitteilung/adfc-umfrage-fahrradklima-2022-bleibt-hinter-erwartungen-zurueck