Die Haveltherme ist eines der größten Wirtschafts-, Tourismus- und Infrastrukturprojekte der letzten Jahrzehnte in Werder. Derzeit scheinbar leicht im Rausch des eigenen Erfolgs, bleibt sie dennoch auch nicht gänzlich unumstritten.
Bernd Reiher, 08.07.2026, 01:27 Uhr
Am ersten Juli-Wochenende wurde Geburtstagsfestival gefeiert. Die Stadt Werder, und damit auch ihre Bürgerinnen und Bürger, sind Eigentümer das Bäderbetriebes. Anlässlich der ersten halben Dekade deshalb an dieser Stelle in den nächsten Tagen einige Stimmen aus der Lokalpolitik. Am Dienstag kamen die Betreiber zu Wort, heute lesen Sie ein Statement der Fraktion Stadtmitgestalter vom 30. Juni 2026.
Eine Goldgrube für den privaten Betreiber
Die Haveltherme entpuppt sich im fünften Jahr nach ihrer Eröffnung als echte Erfolgsgeschichte für den Betreiber, die Havel Therme GmbH, und ihren Besitzer Schauer. Die StadtMitGestalter gratulieren herzlich. Wir freuen uns auch mit den vielen Besuchern, die das Bade- und Wellness Erlebnis dort genießen können.
Pünktlich zum fünften Jahrestag wurde am 11. Juni 2026 die Bilanz für das Jahr 2024 der Haveltherme GmbH im Bundesanzeiger Unternehmensregister veröffentlich. Dort kann man lesen: Der Jahresgewinn 2024 beläuft sich auf 2,5 Millionen Euro. Nach Steuern.
Seit 2021 summieren sich die Gewinne auf über 6 Millionen Euro und es konnten Rücklagen von mehr als 7 Millionen Euro gebildet werden. Alles Zahlen bis Ende 2024, neuere sind bisher nicht veröffentlicht. Die Profite sind so gut, dass jetzt 4.000.000 an Gewinn entnommen werden – so in der Bilanz zu lesen. Soweit so gut?
Die Kehrseite der Medaille ist aber, die Stadt Werder, der die Therme zu 100 Prozent gehört und die mehr als 45 Millionen Euro darin investiert hat, macht in der gleichen Zeit mit der Haveltherme Millionenverluste, wie man den Jahresabschlüssen der Stadt von 2021 bis 2023 und den jeweiligen Prüfberichten entnehmen kann. Besonders die Abschreibung von jährlich mehr als 1,6 Millionen Euro reißen Lücken in den Haushalt der Stadt. In Summe seit 2021 rund 6 Millionen.
Dafür gibt es einen einfachen Grund, nämlich die viel zu niedrige Pacht, die die Stadt und die Bürgermeisterin Frau Saß mit der Haveltherme vereinbart hat. 250.000 Euro Jahrespacht für ein Objekt mit einem Wert von 45 Millionen ist mehr als bescheiden. Dazu muss man wissen, dass die Stadt der Havel Therme noch jährlich 182.000 Euro Zuschüsse zahlt, für Rabatte, die diese gewähren soll.
Die Netto Zahlung an die Stadt beträgt also sage und schreibe 68.000 Euro im Jahr (alle Beträge sind ohne Mehrwertsteuer und ändern sich jährlich, weil es eine Klausel gibt, dass sie um zwei Prozent im Jahr anwachsen).
Also: Großen Gewinnen beim privaten Betreiber stehen große Verluste bei der Stadt Werder gegenüber. Die Therme ist wirtschaftlich eine Goldgrube. Aber nur für den Betreiber.
Die StadtMitGestalter werden weiter für Transparenz sorgen und Vorschläge machen, wie dieses groteske Missverhältnis von privatem Profit und öffentlichem Verlust geändert werden kann.
