Die Haveltherme ist eines der größten Wirtschafts-, Tourismus- und Infrastrukturprojekte der letzten Jahrzehnte in Werder. Derzeit scheinbar leicht im Rausch des eigenen Erfolgs, bleibt sie dennoch auch nicht gänzlich unumstritten.
Bernd Reiher, 10.07.2026, 07:21 Uhr
Am ersten Juli-Wochenende wurde Geburtstagsfestival gefeiert. Die Stadt Werder, und damit auch ihre Bürgerinnen und Bürger, sind Eigentümer das Bäderbetriebes. Anlässlich der ersten halben Dekade deshalb an dieser Stelle einige Stimmen aus der Lokalpolitik. Am Dienstag kamen die Betreiber zu Wort, seit Mittwoch gibt es auf werderanderhavel.de die sehr interessante Sicht der Fraktion Stadtmitgestalter zu lesen. Nachfolgend lesen Sie die Stellungnahme zum Thermengeburtstag der Fraktion B90/Grüne.
Genauer Hingeschaut – 5 Jahre Havel Therme
Dieser Tage ist an vielen Straßenlaternen Werders ein Plakat zu sehen: “Havel-Therme wird 5 – Bedenken: Baden gegangen.” Dazu ein paar Gedanken aus Sicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für Euch in der Stadtverordnetenversammlung.
Bedenken baden gegangen? Nein, höchstens das politische Gedächtnis. 2018 sagte Frau Bürgermeisterin Saß, die Kosten der Therme würden die Stadt nicht an der Erfüllung sonstiger Aufgaben hindern.
Inzwischen wissen wir: unter anderem die beschlossene Ertüchtigung der Karl-Hagemeister Grundschule und der Grundschule Glindow wurden aus Kostengründen abgesagt; es gab in der jüngeren Vergangenheit eine Haushaltssperre etc. Schlimmer aber noch, die Therme belastet auf 30 Jahre jedes Haushaltsjahr mit Millionen.
Der Jahresabschlussbericht weist für 2023 einen Verlust für die Stadt wegen der Therme von knapp 2 Millionen Euro1 aus. Einzig der Thermenbetreiber geht mit satten Millionengewinnen nach Hause.
Was ist aus den Versprechen zu niedrigen Eintrittspreisen für Familien und Sportbad geworden? 2018 zur Vertragsunterzeichnung sollten Erwachsene für drei Stunden 3 Euro bezahlen, heute müssen sie 10,50 Euro für nur 2 Stunden bezahlen. Kinder sollten damals 2 Euro für drei Stunden zahlen, heute verlangt die Therme 9, für zwei Stunden2.
Wahr ist: Für die Schauer & Co. GmbH war schon der Bauvertrag eine Goldgrube und als Betreiber weist sie einen jährlichen Gewinn von zuletzt rund 2,5 Millionen Euro3 aus. Ein ganzer Betrieb aus städtischen Geldern errichtet, aber die Gewinne privatisiert.
Ach ja, die Therme bringt Gewerbesteuer. Wenn das ein Indiz für kommunalen Erfolg wäre, dann könnte die Stadt all ihre Grundstücke verschenken und sich nachher darüber freuen, Grundsteuer einzunehmen. Dies wäre kein gutes Geschäft, wie es einem schnell einleuchtet.
Logisch, dass Frau Bürgermeisterin die Therme als Erfolg feiert. Was bleibt ihr anderes übrig, nachdem die Stadt sich das Thermen Abenteuer knapp 50 Mio Euro kosten ließ.
Wir gratulieren Herrn Schauer für seinen Anteil an einer gut besuchten Therme, aber wir finden sein Eigenlob geht sehr daran vorbei, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Werders, egal wie alt, rund 2000 Euro für die Therme bezahlt hat (eben rund 50 Mio Euro am Ende).
Da könnte sich der Thermenbetreiber eigentlich mal ganz umgekehrt bedanken. 30 Jahre darf er die Gewinne für sich allein erwirtschaften. Ein Vertrag auf Augenhöhe sieht anders aus. Diese Bedenken bleiben auch nach einem guten Thermenbesuch bestehen.
- Quelle: Schlussbericht zum Jahresabschluss für das Haushaltsjahr 2023 der Stadt Werder (Havel) ↩︎
- Quelle: https://www.havel-therme.de/preise-oeffnungszeiten.html#start ↩︎
- Quelle: Bundesanzeiger / Unternehmensregister für die Havel Therme GmbH im Geschäftsjahr 2024 ↩︎
