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Kellerbrand durch Benzinkanister

Werder (Havel), 11.03.2024 – Meldung der Polizeidirektion West vom 10. März 2024. Quelle: Dienstbereitschaft.

Kellerbrand durch Benzinkanister

Ort: Werder (Havel), Zeit: 08.03.24, 18:52 Uhr

Durch die Regionalleitstelle wurde das Polizeirevier Werder (Havel) zu einem Kellerbrand eines gewerblich genutzten Hauses gerufen. Es wurde bekannt, dass ein Benzinkanister umgefallen war, der Inhalt in eine Heizung lief und sich ein Feuer daraufhin entfachte. 

Bei den ersten Löschversuchen zog sich eine Person eine Rauchgasintoxikation zu. Die in der Folge hinzugerufene Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen. Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung wurde eingeleitet. Es entstand ein Sachschaden im unteren fünfstelligem Bereich.

Innenminister: Dank dem Engagement der „Blaulichtfamilie“

Werder (Havel), 30.12.2023 – Für das Trio aus Polizei, Rettung und Feuerwehr hat die Landesverwaltung scheinbar den schönen Oberbegriff „Blaulichtfamilie“ gefunden. Als Dank für Einsatz und Engagement zu Weihnachten und Silvester hat der Innenminister am 22. Dezember eine Grußbotschaft in die Runde geschickt. Hier die zugehörige Pressemitteilung.

Stübgen sagt Einsatzkräften Danke

Innenminister: „Die Blaulichtfamilie ist zur Stelle, um uns friedliche und sichere Feiertage zu bescheren“

Für ihren Dienst an Weihnachten und Silvester dankt Innenminister Michael Stübgen allen Einsatzkräften in Brandenburg. Gerade an den Feiertagen zeigt sich, dass der Einsatz bei Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst kein Job wie jeder andere ist.

„Wenn es in Brandenburg zum Jahresende ruhiger wird, können sich die Einsatzkräfte im Land noch lange nicht zurücklehnen. Die Blaulichtfamilie ist zur Stelle, um uns friedliche und sichere Feiertage zu bescheren. Doch nicht nur das – sie sind an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit. Dafür verdienen sie unser aller Respekt und Anerkennung. Ich hoffe sehr, dass die Kolleginnen und Kollegen nach Dienstende noch mit ihren Liebsten feiern können. Den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten gilt, genauso wie denjenigen, die beim Technischen Hilfswerk oder in den Krankenhäusern während der Feiertage arbeiten, für ihr Engagement mein herzlicher Dank.“

Michael stübgen, Innenminister brandenburg

Auch in diesem Jahr besuchte der Innenminister an Weihnachten eine Polizeidienststelle, um den Bediensteten vor Ort persönlich für ihre Arbeit zu danken.

https://mik.brandenburg.de/mik/de/start/service/presse/pressemitteilungen/detail-pm-und-meldungen/~22-12-2023-stuebgen-sagt-einsatzkraeften-danke#

Rathaus: First-Responder-Einheit in Werder

Werder (Havel), 19.11.2023 – In fast jedem medizinischen Notfall sind die Minuten bis zum Eintreffen der Rettung von entscheidender Bedeutung. In Sachen Ersthelfer hat die Stadt Werder jetzt aufstocken können. Wichtiger Baustein dabei ist wieder einmal das System Freiwillige Feuerwehr. Lesen Sie mehr zur neuen First-Responder-Einheit der Blütenstadt in der städtischen Pressemitteilung vom 13. November 2023. Fotos: Stadt Werder. Bildmontage: werderanderhavel.de.

Werders neue First-Responder-Einheit hatte bereits 45 Einsätze

Kammerflimmern ist die häufigste Ursache für einen plötzlichen Herztod. Ohne schnelle medizinische Hilfe gibt es keine Rettung. Mit jeder Minute, die die Hilfe früher eintrifft, steigen die Überlebenschancen. Aus dieser Erfahrung heraus hat die Freiwillige Feuerwehr in Werder (Havel) jetzt eine First-Responder-Einheit in der Ortsfeuerwehr.

Urheber der Idee ist Frank Huber. Der Feuerwehrmann aus Töplitz war hauptberuflich als Rettungsassistent tätig. „Es gibt leider immer wieder Fälle von Kammerflimmern, bei denen der Rettungsdienst nicht rechtzeitig vor Ort sein kann“, erzählt er. Als er vor einigen Jahren von der Gründung einer First-Responder-Einheit in Schwielowsee gehört hatte, fragte er sich, ob so was auch in Werder machbar ist.

In anderen Bundesländern heißen solche Einheiten auch Sanitäter vor Ort, Ersthelfergruppe oder Voraushelfer. Sie sind bei den Freiwilligen Feuerwehren oder Hilfsorganisationen angesiedelt und arbeiten ehrenamtlich. Ihr Ziel ist immer dasselbe: Die Zeit bis zum Eintreffen der hauptberuflichen Rettungskräfte zu überbrücken. „In diesen Minuten finden erste basismedizinische Maßnahmen statt, die Leben retten können“, erzählt Frank Huber.

Kern dieser Maßnahmen sei der Einsatz eines Defibrillators. Sobald sich die Herzfrequenz zu stark beschleunigt, gibt er Stromstöße an das Herz ab, die die Rhythmusstörung beenden. Bei First-Responder-Einheiten kommen „Automatisierte Externe Defibrillatoren“ (AED), auch Frühdefibrillatoren genannt, zum Einsatz. Sie sind besonders einfach in der Anwendung.

Frank Huber hatte für seine Idee einer eigenen Einheit an verschiedenen Stellen geworben, die Stadt, die Stadtwehrführung und die Ortswehren kontaktiert. Eine zusätzliche Aufgabe für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die jährlich bereits zu 350 Einsätzen ausrücken müssen? Tatsächlich hätten sich nach mehreren Informationsrunden fast 80 der 190 Einsatzkräfte dazu bereit erklärt, bei der Einheit mitzumachen.

Es war noch einiges zu organisieren. Die Stadtverwaltung traf umfangreiche Abstimmungen mit dem für das Rettungswesen zuständigen Landkreis Potsdam-Mittelmark. Es ging um eine klare Festlegung, dass hier kein Ersatz für die Rettungsstellen des Landkreises, sondern eine ehrenamtliche Unterstützung im Fall von Bewusstlosigkeit von Patienten eingerichtet wird.

Die Gespräche mündeten in einer Vereinbarung, in der die Details (von den genauen Aufgaben und dem Technikeinsatz  über die Alarmierung bis hin zu Versicherungsfragen) geklärt sind. Die Stadt stellte zudem gefüllte Notfallrucksäcke für die Einsatzkräfte bereit. Zwei Frühdefibrillatoren wurden im Zuge von Fahrzeugbeschaffungen von der Stadt erworben. Eine eigens gegründete Arbeitsgruppe legte Aus- und Weiterbildungsstandards fest.

Für die fehlenden fünf Defibrillatoren organisierte Frank Huber mit dem Förderverein der Töplitzer Feuerwehr eine Spendenaktion – mit dem Ziel, beim Geld sammeln auch gleich die Idee hinter der First-Responder-Einheit bekannt zu machen. Der Phöbener Feuerwehrverein schloss sich der Sammelaktion bald an, die Phöbener Feuerwehr engagierte sich ebenfalls bei der Aufbauarbeit.

Bürger, Unternehmen und der Rotary-Club spendeten teilweise erhebliche Beträge. „In wenigen Wochen kamen mehr als 9000 Euro zusammen“, so Frank Huber. Von dem Tempo sei man selbst etwas überrascht gewesen. Die erforderlichen „Defis“ konnten davon beschafft werden und es blieb etwas Geld für die Schulung übrig.

Seit 1. Juli ist Werders „First-Responder-Truppe“ nun im Einsatz. Stadtwehrführer Stephan Kranig berichtete bei einer Dankesrunde im Töplitzer Feuerwehrdepot für die Akteure und Förderer, dass sie in den ersten vier Monaten bereits 45 Mal gerufen wurde. Bei zirka 50 bis 60 Prozent dieser Einsätze war es den Feuerwehrleuten vor Ort gelungen, noch vor dem Rettungsdienst am Einsatzort zu sein.

„Wenn man diese Zahlen hört, dann wird klar, dass schon in wenigen Monaten durch dieses Engagement vermutlich mehrere Menschenleben in der Stadt gerettet werden konnten“, so Werders 1. Beigeordneter Christian Große anerkennend. „Dass Feuerwehrleute in Werder und den Ortsteilen ihre Einsatzbereitschaft nicht nur für den Brandschutz, sondern auch für die medizinische Nachbarschaftshilfe bereitstellen, berührt mich sehr.“

Hintergrund: Wie der Einsatz funktioniert

Werders First-Responder-Einheit wird von der Rettungs-Leitstelle im Fall von Bewusstlosigkeit von Patienten per Pieper zusätzlich zur zuständigen Rettungswache alarmiert. Sobald mindestens zwei Feuerwehrleute im Feuerwehrdepot eingetroffen sind, fahren sie mit Mannschaftstransportwagen und Ausrüstung zum Patienten. Sie führen lebenserhaltende Sofortmaßnahmen wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch, bis die Profis vom hauptamtlichen Rettungsdienst vor Ort sind und übernehmen.

Jedes vierte Mitglied der First-Responder-Einheit in Werder ist bereits hauptberuflich im Rettungswesen oder als Krankenpfleger tätig und verfügt über das notwendige Know-how. Die anderen First-Responder-Kräfte werden zusätzlich geschult. Das Projekt wird fachlich begleitet durch die Notfallmedizinerin Dr. med. Evelyn Kussauer.

https://www.werder-havel.de/politik-rathaus/aktuelles/neuigkeiten/jugend-familie/4143-wertvolle-minuten-gewinnen.html

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Rathaus: Jahres-Hauptversammlung der Feuerwehr

Werder (Havel), 23.10.2023 – Die Feuerwehr ist Retter in der Not, im Normalleben aber fristet sie oft ein Schattendasein. Die Wehren in Werder und den Ortsteilen sind auf freiwilliger Basis organsisiert. Heißt: Jeder, der oder die sich bei der FFW engagiert, ist von der Arbeit bis ins Privatleben so eingerichtet, dass er oder sie in Notlagen Anderer jederzeit helfen kann.

Am 6. Oktober ging die Hauptversammlung der blütenstädtischen Wehren über die Bühne. Vize-Stadtwehrführer Bohnebruck hat dabei unter anderem den Jahresbericht der Floriansjünger vorgestellt. Lesen Sie mehr in der Presseinfo aus dem Rathaus vom 16. Oktober 2023. Bild: Stadt Werder, Montage: werderanderhavel.de.

Fast jeden Tag ein Feuerwehreinsatz

Fast jeden Tag ein Notruf: Werders Freiwillige Feuerwehren sind in den vergangenen zwölf Monaten zu 347 Einsätzen ausgerückt. Stadtwehrführer Stephan Kranig stellte bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr die Statistik vom 1. August 2022 bis 31. Juli 2023 vor. 151 der Einsätze waren demnach Hilfeleistungen, 74-mal mussten Feuer gelöscht werden.

Von einem brennenden Bungalow über ein gesunkenes Boot bis hin zu mehreren Fahrzeugführern, die nach Unfällen aus ihren Unfallwagen befreit werden mussten, waren die Feuerwehrleute aus Werder und den Ortsteilen gefragt. Das umfangreiche Einsatzgeschehen wird durch eine in der Tendenz wachsende Zahl von Einsatzkräften bewältigt.

Der stellvertretende Stadtwehrführer Stefan Bohnebruck sprach von aktuell 192 Mitgliedern der Einsatzabteilung. Im vergangenen Jahr waren es 180 und im Jahr davor 176. Besonders in den Ortseilen steigen die Zahlen, wobei der Nachwuchs überwiegend aus der Jugendfeuerwehr rekrutiert werden kann. Die Ehrenamtler sind nicht nur bei Einsätzen, sondern auch bei den zu absolvierenden Grundausbildungen, Übungen und Schulungen gefordert, die beispielsweise für das Tragen von Atemschutzgeräten erforderlich sind.

Als eine der größten Feuerwehren im Landkreis hat die Freiwillige Feuerwehr in Stadt Werder (Havel) zum 1. Juli zudem das First-Responder-System als zusätzliche freiwillige Aufgabe unterstützend für den Rettungsdienst in Potsdam-Mittelmark eingeführt. So soll das therapiefreie Intervall bei bewusstlosen Personen und im Zuge einer Reanimation verkürzt werden. 28 solcher Einsätze hat es seitdem bereits gegeben.

Bei der Jahreshauptversammlung am 6. Oktober berichteten auch die Jugendfeuerwehr und der Spielmannszug der Freiwilligen Feuererwehr über ihre Arbeit. Bürgermeisterin Manuela Saß und  mehrere Vertreter der Fraktionen  der Stadtverordnetenversammlung bedankten sich bei den Feuerwehrleuten für ihr ehrenamtliches Engagement für die Sicherheit der Stadt und ihrer Menschen.

Nicht zuletzt wurden mehrere Feuerwehrleute aus Werder mit der „Rheinland-Pfälzischen Fluthilfemedaille“ für die Unterstützung beim Hochwasser an der Ahr  2021 und mit der „Einsatzmedaille Waldbrände“ für die Unterstützung bei den Größbränden in Beelitz und Treuenbrietzen  2022 geehrt. Außerdem standen Beförderungen und Neuaufnahmen auf dem Programm.

Zum Ausklang der Jahreshauptversammlung wurde zu einem Dankeschön-Büfett der Stadt eingeladen.

https://www.werder-havel.de/politik-rathaus/aktuelles/neuigkeiten/jugend-familie/4113-jahreshauptversammlung-der-freiwilligen-feuerwehr.html

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Rathaus zum 100.: Wilhelm Pieck und die Feuerwehr Glindow

Werder (Havel), 26.06.2023 – Die Feuerwehr Glindow hat am Wochenende ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Anlässlich des Jubiläums wurde auch ordentlich in der Geschichte geforscht und manch schöne Geschichte gefunden. Lesen Sie mehr in der städtischen Pressemitteilung vom 21. Juni 2023.

Wie Wilhelm Pieck die Feuerwehr Glindow gerettet hat

Sie hießen Otto Nebert, Karl Greulich und Hermann Freidank. Sie waren Arbeiter, vielleicht in einer der immer rarer werdenden Glindower Ziegeleien. Brände gab es im Umfeld der Brennöfen durch Unachtsamkeit, Baumängel oder Blitzschlag im Schornstein ja immer wieder,  jemand musste sie löschen. Das Trio gründete am 28. September 1923 die Glindower Feuerwehr und spendete auch gleich eine Sirene.

Auf dem ersten überlieferten Gruppenfoto der Mannschaft sind drei Jahre später 22 Herren mit Uniform und Schutzhaube sowie acht weiß gewandete Damen abgelichtet, die vielleicht  eine Sanitätskolonne bildeten. Auf dem Foto hat ein Rechercheteam auch die Feuerwehrgründer ausgemacht.

Zum 100. Geburtstag haben sich mehrere Feuerwehrleute der Gegenwart um Mathias Walter durch die vergangenen Jahrzehnte geforscht. Herausgekommen ist eine 104-seitige Präsentation mit Fotos, Zeitungsauschnitten, Dokumenten und Protokollen, die zum Glindower Jubiläumsfest im Schützenpark am 24. Juni präsentiert werden wird.

Das fünfköpfige Rechercheteam hatte vor einem Jahr mit seinen historischen Nachforschungen begonnen. „Das vorhandene Material beschränkte sich auf ein paar unsortierte Fotokisten“, erzählt Mathias Walter.  Das Team schrieb Archive an, wertete altes Zeitungsmaterial aus, ordnete die vorhandenen Fotos Zeiträumen und Zusammenhängen zu. „Und wir befragten ältere Feuerwehrkameraden aus dem Ort.“ 14-tägig wurden die gesammelten Informationen gemeinsam ausgewertet.

Auf diese Art wurden Erinnerungen zutage gefördert, die nur noch schemenhaft oder gar nicht mehr im Feuerwehr-Gedächtnis existierten. Ob vom ersten Gerätehaus  im Depot der Pferdebahn, die Glindow einst mit Werders Stadtbahnhof verbunden hatte. Von der ersten Motorspritze, die im Jahr 1926 angeschafft wurde. Ob von den unterbrochenen Fußballspielen, da die Feuerwehrausfahrt einst quer über den Sportplatz führte. Oder vom großen Ziegeleifeuer bei Schiele im Jahr 1937.

Um das erste motorisierte Feuerwehrfahrzeug rankt sich eine bemerkenswerte Geschichte. Der Opel Blitz hatte 34 PS und stammte, so ist es überliefert, aus einer „Trophäenhalle“ der Sowjetarmee in Seddin. Die Glindower, die nach dem 2. Weltkrieg mit drei Kameraden gerade dabei waren, die Feuerwehr wieder aufzubauen, übernahmen das Fahrzeug 1948 als komplettes Wrack. Sie bauten es in vielen Arbeitsstunden in Eigenleistungen und mit der Unterstützung von Spendern mühevoll wieder auf.  Das blieb nicht unbemerkt.

Die Zahl der überlieferten Fotos gibt ein Gefühl dafür, wie stolz sie auf ihren dunkelroten Blitz waren, zu dem ein ebenso roter Tragkraftspritzenanhänger gehörte. Doch um 1952, so haben es alte Kameraden berichtet, sei das blank geputzte Fahrzeug von der Potsdamer Feuerwehrführung  mal eben für eigene Zwecke beschlagnahmt worden. Material war knapp in den Nachkriegsjahren, da nahmen die Potsdamer offenbar das Recht des Stärkeren für sich in Anspruch.

Man mag sich nicht vorstellen, was das in Glindow ausgelöst hat. Von einem Willkürakt war die Rede. Es kratzte an der Ehre des ganzen Dorfs. Die Glindower wollten das auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. Aber was tut man in einer scheinbar aussichtslosen Situation? Man tut etwas Unerwartetes.

Feuerwehrchef Ottomar Raue fuhr mit dem damaligen Bürgermeister Jost nach Ostberlin. Sie suchten niemand geringeren auf als Wilhelm Pieck, den Präsidenten der erst vor ein paar Jahren in der Sowjetischen Besatzungszone gegründeten Deutschen Demokratischen Republik. Sie müssen ihr Anliegen mit einer solchen Wucht vorgetragen haben, dass sie vorgelassen wurden. So konnten sie ihren Unmut über die Potsdamer Skrupellosigkeit kundtun.

Sie hatten den Überraschungseffekt auf ihrer Seite: Wilhelm Pieck zeigte Verständnis und soll versprochen haben, Gerechtigkeit walten zu lassen. Offenbar wollte er die Angelegenheit schnell vom Tisch haben. Womit Raue und Jost nicht gerechnet hatten: Zurück in Glindow stand der Opel Blitz tatsächlich schon wieder im Feuerwehrgerätehaus.

1957 wurde der Opel durch ein Löschfahrzeug von Robur Garant abgelöst,  1979 durch einen Robur LO und 1998 durch einen Löschfahrzeug auf der Basis des Mercedes 1224, das heute noch eine feste Größe im Fuhrpark der Glindower Feuerwehr ist. All das ist jetzt ebenso chronologisch vermerkt wie eine ganze Anzahl bemerkenswerter Einsätze, etwa die beiden Flugzeugabstürze, mehrere Ziegeleibrände oder der Hilfseinsatz in Mühlberg.

Es gibt Bilder der wechselnden Führungsriege, der Feiern im Deutschen Haus und der unterschiedlichsten Feuerwehrübungen. Für einer Schau-Übung zum 65. Jubiläum wurde sogar ein Trabant 601 angesteckt. Auch die frühere Glindower Feuerwehrkapelle und der in der 60er-Jahren existierenden Frauengruppe sind jetzt sorgfältig dokumentiert.

Ein besonders trauriges Foto von 1975 zeigt das schwarze Balkengerippe des Schlauchturms vor dem weitgehend unversehrten Gerätehaus. Schüler der benachbarten Schule hatten dort heimlich geraucht und ihre Zigarettenkippen in einer Bretterspalte versteckt. Das Feuer war ein herber Schlag für die Kameraden. Als im Jahr 2006 auch noch die Fahrzeughalle brannte, führte an einem Neubau nichts mehr vorbei. Einbrecher hatten offenbar versucht, mit den Flammen Spuren zu verwischen.

2009 traf die Baugenehmigung für den Neubau ein, 2010 wurde er feierlich eingeweiht. Eine Investition in eine Feuerwehr, deren Löschgruppe heute aus 33 Kameraden, der Jugendfeuerwehr mit 22 Mitgliedern und der Alters- und Ehrenabteilung mit 12 Mitglieder besteht.

„Früher reichte der Wille und die Teilnahme aus, um Freiwilliger Feuerwehrmann zu werden“, resümiert das Rechercheteam mit Mathias Walter, Madlen Viebranz, Hartmut Küstner, Klaus Pfänder und Robert Wolter. Die jungen Kameraden wurden von den Älteren angeleitet. „Heute müssen allein 80 Stunden Grundausbildung absolviert werden, um überhaupt zum Einsatz mitfahren zu dürfen.“ Weitere Ausbildungseinheiten würden folgen.

In einem noch relativ neuen Feuerwehrgerätehaus, mitten im Dorf gegenüber der Dorfkirche, hat die Glindower Feuerwehr seit 100 Jahren ihren und unverrückbaren Platz.

Bild: Feuerwehr Glindow mit Opel Blitz. Foto: FFW Glindow. Quelle: Stadt Werder.

https://www.werder-havel.de/politik-rathaus/aktuelles/neuigkeiten/jugend-familie/3986-wie-wilhelm-pieck-die-feuerwehr-glindow-gerettet-hat.html

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Stadtverwaltung: 70 Jahre bei der Feuerwehr – langgediente Kameraden wurden geehrt

Werder/Havel, 14.10.2022 – Pressemitteilung der Stadtverwaltung vom 14. Oktober 2022.

70 Jahre bei der Feuerwehr

Im Spargelhof Klaistow ehrt der Landrat heute 85 besonders langgediente Feuerwehrleute. Der Plessower Günther Wenzel ist einer von ihnen.

Günther Wenzel hat die Einladung sorgfältig auf dem Tisch aufgefaltet. Er freut sich auf den heutigen Tag, auch wenn es ein bisschen schade sei, dass nicht ein paar seiner alten Feuerwehrkameraden zum Spargelhof Klaistow mitkommen und dem Landrat die Hand schütteln.

Die meisten seien verstorben, einer sei gerade nicht gut zu Fuß.

85 Feuerwehrkameraden aus dem Landkreis werden heute für besonders langjährige, Treue Dienste geehrt. Günther Wenzel wird die Langgedienten aus Plessow würdig vertreten.

Seit 70 Jahren ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr. Als 16-Jähriger hat er im Jahr 1952 den Dienst aufgenommen. „Es gab nichts Anderes im Dorf und dann war das ja eine gute Truppe“, erinnert er sich. Bis zur Rente war er im aktiven Dienst, immer als Maschinist.

Für die heutige Auszeichnungsveranstaltung wird er sich eine Ausgehuniform anziehen. Seine alte, über 30 Jahre alt, passt ihm nicht mehr.

„Na ich bin ein bisschen beleibt geworden“, gesteht er. Längst ist er in der Alters- und Ehrenabteilung. Als vor zwei Jahren das neue Feuerwehrdepot in Plessow eingeweiht wurde, hatten ihm die Kameraden eine neue Uniformjacke gegeben.

Es hat sich einiges bewegt in all den Jahren

Beim Gruppenbild vor dem Neubau sollten alle eine ordentliche Uniform tragen. Für den Termin am heutigen Freitag hat er nun auch eine ordentliche Uniformhose bekommen.

„Früher wurden die Uniformen jahrelang weitergereicht. Wenn ein Neuer kam, wurde bei den alten Uniformteilen zusammengesucht, was passt“, lacht er.

Aber auch darüber hinaus habe sich doch einiges bewegt in all den Jahren. Günter Wenzel erinnert sich an seine Anfangsjahre bei der Plessower Feuerwehr: Man sei ja mit der Anhängerspritze der Marke Flada, Baujahr 1930, ganz ordentlich ausgestattet gewesen.

In den 50er-Jahren sei es aber schwierig gewesen, ein Fahrzeug zu finden, das die Spritze zum Einsatzort zieht.

„Die Reifen oder die Autos waren doch alle eingezogen worden im Krieg.“ Das einzige geeignete Zugfahrzeug im Ort sei anfangs der Kübelwagen seines Bruders gewesen.

Aber die Hängerkupplung war nicht kompatibel mit der Anhängerspritze. „DIN war damals noch nicht so verbreitet.“

Mit Schmiede-Paul die Kupplung passend gemacht

Mit Schmiede-Paul an der Seite änderte er die Kupplung der Anhängerspritze so, dass sie an den Kübelwagen passte. Das half nur zum Teil: Bei Einsätzen war das Fahrzeug nicht immer rechtzeitig da, auch Ersatz wurde nicht so bald gefunden.

„Die Kameraden waren schneller als das Auto. Wir haben die Spritze dann oft per Hand gezogen, die Einsatzorte waren ja meist um die Ecke.“

Er kann sich noch gut erinnern, wie beim Brand vom alten Reethaus das glühende Stroh vom Dach rutschte. Auch der große Scheunenbrand war ein Einsatz, von dem sich die Feuerwehrleute noch Jahrzehnte erzählten.

Sonst waren die Einsätze meist übersichtlich: kleinere Schornsteinbrände, vollgelaufene Keller. Bei einem Sturm stürzte mal der Schlauchturm des Feuerwehrhauses ein.

Günther Wenzel hat den größten Teil seines Lebens Im Obst- und Gartenbau als Greiferfahrer gearbeitet, genauso engagiert wie für die Freiwillige Feuerwehr, wie im Gespräch deutlich wird.

Heute, mit 87 Jahren rüstig, hält er sich durch Gartenarbeit in Bewegung, baut seine Kartoffeln und Tomaten selber an und etwas Getreide für seine 20 Hühner. Wenn zu viele Eier da sind, bekommen sie die Kinder, die Enkel haben selber Hühner.

„Blaulicht, hopp“

Gelegentlich schaut er bei der Plessower Feuerwehr vorbei und bestaunt die moderne Ausrüstung.

„Blaulicht, hopp, der Fahrer weiß gleich, wo er hinmuss, paar Griffe und schon läuft das Wasser“, fasst er das Einsatztempo zusammen. Niemand müsse mehr einen Brunnen suchen.

Die technischen Entwicklungen haben ihn immer interessiert. „An Vorspanndiensten gibt es ja keinen Mangel mehr“, lacht er.

Nur eines habe sich bei der Plessower Feuerwehr bis heute nicht geändert: der Zusammenhalt.

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